Suizidalität

Definition:

Suizidalität meint die Summe aller Denk- und Verhaltensweisen von Menschen, die in Gedanken, durch aktives Handeln oder passives Unterlassen oder durch Handeln-lassen den eigenen Tod anstreben, oder ihn als mögliches Ergebnis einer Handlung in Kauf nehmen.

 

Fallbeispiel

Eine junge Frau, mitten im Leben stehend, Mutter von 3 Kindern, erfolgreich in ihrem Beruf, nimmt sich, völlig überraschend für ihre Umgebung, das Leben. Wer sie näher kannte, weiß, dass sie immer wieder sehr schwermütig war, unter ihrem geringen Selbstwert litt, sich oft überfordert fühlte. In letzter Zeit litt sie an Depressionen, die sie vor ihrem Umfeld möglichst verborgen hielt. Ein zusätzliches schwieriges Lebensereignis ließ sie völlig in sich zusammenbrechen und den Weg in den Tod wählen.

 

Solche Ereignisse hinterlassen Angehörige und Freunde fassungslos. Oft ist es nicht nachvollziehbar, was schließlich der letzten Auslöser war, der einen Menschen den Weg in den Tod wählen ließ.

 

Statistik:

In Österreich nehmen sich jährlich etwa 1400 Menschen das Leben, das sind doppelt so viele Tote wie im Straßenverkehr. 
2/3 davon sind Männer, 1/3 Frauen. Bei den Suizidversuchen verteilt sich die Zahl umgekehrt: 2/3 der Suizidversuche werden von Frauen verübt und 1/3 von Männern. Suizidprävention zielt darauf ab, Suizidalität frühzeitig zu erkennen, sowie Suizidgefährdete und deren Angehörige über mögliche Hilfestellungen zu informieren.

 

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen die an Depressionen leiden, alkohol- und drogenabhängige, alte und vereinsamte Menschen, Menschen, die durch Langzeitarbeitslosigkeit ihre Perspektiven verloren haben.

 

Ursachen:

Wie kommt es dazu, dass ein Mensch den Weg in den Tod wählt?

Ursachen für Suizide können schwere Krisen sein,  keine Lebensperspektiven mehr für sich zu sehen, Verlusterlebnisse, traumatische Ereignisse, Schicksalsschläge aber auch psychische Erkrankungen.

 

Wie kann ich Suizidgefahr erkennen?

Suizidgefahr kann daran erkannt werden, dass Menschen sich merklich verändern. Zum Beispiel zieht sich jemand sehr zurück, nimmt am Leben rund um ihn nicht mehr teil.  Gefühle von Ohnmacht, Aussichtslosigkeit, Resignation und Angst herrschen vor. Erlebbar kann das durch körperliche Veränderungen, Veränderungen in der Gestimmtheit, in der Gestik, im sozialen Verhalten werden.

Vielfach äußern Menschen ihre Suizidgedanken in indirekten Aussagen wie: „Es hat eh alles keinen Sinn mehr“, „Am besten wäre, wenn ich nicht mehr da wäre!“ , „Ich falle allen zur Last!“ „Ich trau mir selbst nicht über den Weg!“...

 

Was kann ich tun?

Wenn jemand solche indirekten oder auch direkten Aussagen macht, ist es wichtig, ihn oder sie darauf anzusprechen. Manche Menschen meinen, wenn sie jemanden nach seinen Suizidgedanken fragen, bringen sie ihn oder sie erst auf die Idee. Das ist nicht richtig. Vielmehr erleben Betroffene es als Erleichterung und Entlastung, ihre quälenden Gedanken aussprechen zu können und damit ernst genommen zu werden.

Als Helfer muss ich die akute Suizidgefährdung einschätzen können. Je eingeengter jemand wirkt, je konkreter die Suidzidgedanken sind, desto akuter ist die Gefährdung.  Dann ist es hilfreich, dass der Helfer Verantwortung übernimmt, nötige Maßnahmen einzuleiten. Er muss dafür sorgen, dass der Betroffene professionelle Hilfe erhält, indem er zum Beispiel eine Beratungsstelle, einen Arzt, die Rettung oder ein Krankenhaus kontaktiert.

 

Hilfepflicht:

Wir sind als österreichische Staatsbürger verpflichtet, gefährdete Menschen vor dem Suizid zu bewahren und auch gegen ihren Willen Hilfe zu leisten. Wichtig ist aber, dass sich der Helfer dabei nicht selbst gefährdet. In solchen Situationen kann eine zwangsweise Aufnahme in ein Krankenhaus hilfreich sein, den Betroffenen in seiner Selbstgefährdung zu schützen. Es gilt dabei: Soviel Verantwortung übernehmen wie nötig und so wenig wie möglich.

 

Suizidale Entwicklung:

Suizidale Entwicklung erfolgt in Phasen. Der österreichische Psychiater Walter Pöldinger beschreibt diese, beginnend mit der Phase der Erwägung: Hier tauchen Suizidgedanken auf als eine Möglichkeit  des Auswegs unter vielen anderen möglichen Wegen.

Die nächste Phase ist die Phase des Abwägens: Ein Hin-und-Hergezogen-Sein zwischen den Kräften, die Leben wollen und denen, die sterben wollen. Dies ist die Phase, in der gefährdete Menschen ihre Suizidgedanken am ehesten äußern und Hilfe suchen.

In der folgenden Phase des Entschlusses ist die Entscheidung für den Tod gefallen. Hier kehrt oft vermeintliche Entspannung ein. Die Einengung und Gefährdung ist für Außenstehende oft nicht mehr bemerkbar und die Gefahr des Suizides am größten.

 

Suizidversuche oder parasuizidale Handlungen:

Nich hinter jedem Suizidversuch steckt ein misslungener Suizid. Um Suizidhandlungen erstehen zu können, müssen wir uns mit den dahinterliegenden Motiven beschäftigen.

 

Feuerlein beschreibt drei Motive:

  • Den Wunsch nach Zäsur: „Ich kann nicht mehr, brauche eine Pause, will einfach mal meine Ruhe!“
  •  Appell: „Sieht denn keiner, wie schlecht es mir geht!“
  • Autoaggression: „Ich bin voller Aggression gegen mich und will mich vernichten!“

In der Beratung werden Betroffene unterstützt ihre Motive hinter der Suizidalität zu erkennen und andere, konstruktivere Lösungsansätzen für ihre Leben zu entwickeln.

 

Haltung zu Suizidalität:

Wir stehen als HelferInnen ganz klar auf der Seite des Lebens. Unser Angebot an Menschen, die keinen Ausweg mehr für sich sehen, ist es, uns mit ihnen gemeinsam auf die Suche nach neuen Perspektiven zu machen.

Aus der Aussage „SO kann ich nicht mehr weiter leben!“ den Aspekt heraus zu arbeiten, WIE das Leben ANDERS lebenswert wäre.

Es ist wichtig, dabei alle Aspekte zu berücksichtigen: Sowohl den Teilen, die Sterben wollen Aufmerksamkeit zu geben als auch die  Teile zu fördern, die die Kraft zum Leben, zur Entwicklung verkörpern.

Wenn ein Mensch dann dennoch den Weg in den Tod wählt, bleibt mir als Zurückbleibende nur, diese Entscheidung zu würdigen, sie als letzte Verantwortung des Betroffenen zu akzeptieren. Dennoch werden Fragen auftauchen wie z.B.: „Hätte ich es verhindern können?“, mit denen ich mich dann auseinandersetzen muss.

 

Mögliche Hilfen:

o   Hausarzt

o   Beratungsstellen

o   Krisenintervention

o   Telefonseelsorge

o   Psychosozialer Notdienst

o   Psychiatrische Ambulanz, Klinik